Schub

* * *

Schub 〈m. 1u
1. das Schieben, einzelner weicher Stoß
2. das Geschobene, auf einmal bewegte Menge
3. größere Anzahl von Personen od. Dingen
4. 〈Phys.〉 Kraft, mit der ein durch Rückstoß bewegter Körper, z. B. Rakete, Flugzeug, angetrieben wird; Sy Schubkraft (1)
5. 〈Med.; Psych.〉 Abschnitt gesteigerter Aktivitäten im Wechsel mit ruhigeren Perioden innerhalb eines Krankheitsverlaufs (z. B. bei multipler Sklerose od. Schizophrenie)
6. 〈umg.; kurz für〉 Schublade
● ein \Schub Brötchen Anzahl B., die auf einmal in den Ofen geschoben werden; ein \Schub von Flüchtlingen erreichte die Grenze; alle neune beim ersten \Schub (beim Kegeln)}}; in Schüben 〈fig.〉 in gewissen zeitlichen Abständen wieder u. wieder; der Andrang war so groß, dass die Schaulustigen nur in Schüben eingelassen werden konnten [→ schieben]

* * *

Schub, der; -[e]s, Schübe [mhd. schub, schup = Aufschub, Abschieben der Schuld auf andere; urspr. nur Rechtsspr., zu schieben]:
1.
a) (selten) das Schieben; Stoß:
mit einem kräftigen S. wurde das Hindernis aus dem Weg geräumt;
Ü durch die Rolle in diesem Film bekam seine Karriere einen kräftigen S.;
b) (Physik, Technik) Kraft, mit der etw. nach vorn getrieben, gestoßen wird; Vortrieb (2):
das Raketentriebwerk erzeugt einen S. von 680 Tonnen;
c) (Mechanik) Scherung (1).
2. Anzahl von gleichzeitig sich in Bewegung setzenden, abgefertigten, beförderten Personen od. bearbeiteten Sachen:
der erste S. Brötchen ist schon verkauft;
immer neue Schübe von Flüchtlingen kamen an.
3. in unregelmäßigen Abständen auftretende Erscheinung einer fortschreitenden Erkrankung; einzelner Anfall:
multiple Sklerose tritt meist in Schüben auf.
4. (landsch.) Schubfach.

* * *

I
Schub,
 
1) Dynamik: Schubkraft, die Vortriebskraft als Reaktionskraft einer in entgegengesetzter Richtung beschleunigten Masse, wodurch Raketen sowie Schiffe und Flugzeuge mit Propeller- oder Strahlantrieb vorwärts bewegt werden. Die Maßeinheit des Schubs ist das Newton.
 
Ein rotierender Propeller beschleunigt das durch seine Kreisfläche A hindurchtretende Medium von der Anströmgeschwindigkeit w auf die Geschwindigkeit w + Δw. Hierbei entsteht (bei Vernachlässigung der Geschwindigkeitsverluste durch Reibung und durch Drehung des Strahls) ein Druckunterschied vor und hinter der Propellerkreisfläche von der Größe
 
 
wenn ρ die Dichte des Mediums bezeichnet. Der von dem Propeller erzeugte Schub beträgt dann F = A · Δp. - Der Schub eines Raketenantriebs ergibt sich als Produkt aus dem Treibstoff-Massendurchsatz (pro Zeiteinheit) und der Gasaustrittsgeschwindigkeit aus der Düse; er ist von der Fluggeschwindigkeit unabhängig. Der Schub eines Luftstrahlantriebs (Staustrahl oder Turbinenluftstrahltriebwerk) ergibt sich als Differenz der Produkte aus austretendem Gas-Massendurchsatz und Austrittsgeschwindigkeit sowie eintretendem Luft-Massendurchsatz und Eintrittsgeschwindigkeit. Der Schub solcher Triebwerke ist von der Fahrzeuggeschwindigkeit abhängig.
 
 2) Medizin: Bezeichnung für akute, zeitlich begrenzte Krankheitssymptome bei einer chronisch verlaufenden Erkrankung, z. B. bei multipler Sklerose oder Schizophrenie. Ein Schub kann abklingen, ohne dass es zu einer bleibenden Krankheitsverschlechterung kommt. Häufig bleibt jedoch ein Teil der Ausfälle nach Abklingen des Schubs bestehen.
II
Schụb,
 
Šụb [ʃ-], Esfir (Esther) Iljinitschna, sowjetische Dokumentarfilmregisseurin, * Moskau 16. 3. 1894, ✝ ebenda 21. 9. 1959; begann 1922 für das Kino zu arbeiten. Als Herstellerin bedeutender historischer Montagefilme (ab 1927) stand sie unter dem Einfluss von D. Wertow.

* * *

Schub, der; -[e]s, Schübe [mhd. schub, schup = Aufschub, Abschieben der Schuld auf andere; urspr. nur Rechtsspr., zu ↑schieben]: 1. a) (selten) das Schieben; Stoß: ... kommt der angehäufte Schnee durch S. von oben in Bewegung (Eidenschink, Eis 142); mit einem kräftigen S. wurde das Hindernis aus dem Weg geräumt; Als der Bulle ... sich nach einem einzigen S. (Stoß mit dem Penis) entleerte (Stern, Mann 28); Ü Japan, wo ein neuer technologischer S. bereits voll wirkt (profil 26. 3. 84, 47); Es bleibt abzuwarten, ob ihre ... Karriere durch „Can't Stop the Music“ einen neuen S. bekommt (Saarbr. Zeitung 7. 12. 79, III); b) (Physik, Technik) Kraft, mit der etw. nach vorn getrieben, gestoßen wird; ↑Vortrieb (2): Bereits bei 2 000 Touren legt der ... Sechszylinder fühlbar zu, und nur wenig später ist bemerkenswerter S. zu verspüren (Auto 5, 1970, 53); das Raketentriebwerk erzeugt einen S. von 680 Tonnen; c) (Mechanik) Scherung (1). 2. Anzahl von gleichzeitig sich in Bewegung setzenden, abgefertigten, beförderten Personen od. bearbeiteten Sachen: der erste S. Brötchen ist schon verkauft; wenn der eine S. gegessen hatte und der andere sich draußen drängte (Kirst, 08/15, 182); Als er die linke Hand an die Brusttasche hob, hielt ihm der Gehilfe einen S. mit Tüchern hin (Bieler, Mädchenkrieg 40); immer neue Schübe von Flüchtlingen, Deportierten kamen an; der erste S. soll über Mauthausen nach Auschwitz gehen (Hochhuth, Stellvertreter 148); Madame Elisabeth, des Königs Schwester, soll als die Letzte eines umfangreichen -es sterben (Sieburg, Robbespierre 182); sie war beim letzten, kam mit dem letzten S.; *jmdn. auf den S. bringen (Jargon; jmdn. zwangsweise [in einem Sammeltransport] irgendwohin befördern): Am nächsten Tage wurde ich gemeinsam mit anderen Gefangenen ..., wie man so sagt, „auf den S.“ gebracht (Niekisch, Leben 91); per S. (Jargon; zwangsweise): ... wurde ich per S., das heißt in einem vergitterten Zugsabteil, in die Strafanstalt Scheurental überführt (Ziegler, Konsequenz 24); 1939 wies man sie (= Lale Andersen) per S. nach Deutschland aus (Augsburger Allgemeine 27./28. 5. 78, VIII). 3. in unregelmäßigen Abständen auftretende Erscheinung einer fortschreitenden Erkrankung; einzelner Anfall: depressive Schübe; Schizophrenie tritt meist in Schüben auf. 4. (landsch.) Schubfach: ... wandte sie sich zur Kasse, zog den S. auf (Johnson, Ansichten 162); doch da sehe ich, dass in den Schüben noch der Schmutz meines Vorgängers ... liegt (Hofmann, Fistelstimme 10).

Universal-Lexikon. 2012.

Synonyme:

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Schub — (englisch thrust) bezeichnet die Antriebskraft und dient als Kenngröße für die Leistungsfähigkeit von Strahltriebwerken und Raketentriebwerken. Der Schub dient der Überwindung des Luftwiderstandes und der Erdanziehungskraft, erzeugt den Vortrieb… …   Deutsch Wikipedia

  • Schub — Schub: Die nur dt. Substantivbildung zu dem unter ↑ schieben behandelten Verb (mhd. schup, schub »Aufschub; Abschieben der Schuld auf andere«) gehörte ursprünglich nur der Rechtssprache an. Erst nhd. wird es in weiterem Sinn gebraucht, z. B. in… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Schub — Schub, 1) die Kraftäußerung, durch welche ein Gegenstand plötzlich, schnell u. in Menge fortbewegt wird; 2) die durch einmaliges Schieben fortbewegte Masse od. Menge Gegenstände; 3) so viel Brod od. Semmel, als auf einmal gebacken wird; 4) das… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Schub — (Schubtransport), das polizeiliche Fortschaffen einer Person nach einem bestimmten Ablieferungsort. Die Transporte sind tunlichst in Einem Tag auszuführen. Ist dies nicht möglich, so muß der begleitende Polizeibeamte (Transporteur) den zu… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Schub — Schub, die polizeiliche Fortschaffung nicht legitimirter od. verdächtiger Subjecte in ihre Heimath …   Herders Conversations-Lexikon

  • Schub — Schub, der; [e]s, Schübe …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Schub — Einen auf den Schub bringen: ihn zwangsweise entfernen, mit gelinder Gewalt fortschieben, ursprünglich ein Fachausdruck für das polizeiliche ›Abschieben‹ von Übeltätern, Bettlern und Landstreichern. Sie wurden ›per Schub‹ an die Grenze gebracht.… …   Das Wörterbuch der Idiome

  • Schub — Schu̲b der; (e)s, Schü·be; 1 die Kraft, die etwas antreibt, in Bewegung setzt: der Schub, den eine Rakete beim Start braucht || K : Schubkraft, Schubleistung, Schubwirkung 2 Med ≈ Anfall <ein depressiver, manischer Schub>: eine Krankheit,… …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • Schub — 1. Wenn der Schub (Raub) da ist, hoffen die Gezeugen nicht. – Eiselein, 555; Simrock, 9211. *2. Auf den Schub fort müssen. – Eiselein, 555. *3. Auf den Schub kommen. – Eiselein, 555. *4. Er handelt um Schübe. – Sutermeister, 101. Er sucht… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Schub — der Schub, ü e (Mittelstufe) bestimmte Menge an Personen, Dingen, die gleichzeitig befördert, eingelassen o. Ä. werden Beispiele: Den ersten Schub Bretter haben wir schon abgeladen. Der letzte Schub Besucher ist ins Museum eingetreten …   Extremes Deutsch

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.